rundbrief der Globalisierung AG-FfO  30.April 2002-04-30

#1. Veranstaltungshinweis für den 4.06.02, anlässlich des „Tag der offenen Tür" beim BGS      - kein mensch ist illegal

#2. Kirchgemeinde Seelow in den Fallstricken

#3. Bilder vom Marsch der Mobilization for Global Justice (MG)

top

#  Hinweis für eine Film Veranstaltung am Samstag den 4.05.02 um 20.00h

im Kontaktladen, Berliner Str.24 Frankfurt/Oder,

Filmvorführung mit anschließender Diskussion, anlässlich des „Tag der offenen Tür" beim

BGS in Frankfurt Oder.

Thema des Filmabends: "Kein Mensch ist illegal". 1999 entstanden in Zusammenarbeit mit ZDF/

ARTE Dokus und Kurzfilme. 285

min.,unter anderem die beiden Dokumentarfilme "Planeta Alemania" und "Mit fremderHilfe" von

Merle Kröger, Ed van Megen und Philip Scheffner

Kein Mensch ist illegal. Im gleißenden Grün eines Nachtsichtgerätes paddelt ein Mann in einem

Schlauchboot über die Neiße. Die Reise des Rumänen endet im Dunkel des Abspanns einer

Dokumentation, die beweist, dass Europa auf dem besten Wege ist, sich bei gleichzeitiger

Öffnung im Innern zur Festung auszubauen.

MigrantInnen und Flüchtlinge sind in Europa unerwünscht. Nachdem es für sie nahezu unmöglich

ist, einzuwandern, ist die Überschreitung der Staatsgrenze nur noch »illegal« möglich. »Illegal«

wird, wer bleibt, obwohl der Aufenthalt nicht mehr erlaubt, gestattet oder geduldet ist.

Systematisch werden die verbliebenen Einreise- und Aufenthaltsmöglichkeiten reduziert. So wird

eine immer größere Zahl von Menschen in die Illegalität gezwungen.

Grenzen trennen nicht nur territorien, Grenzen trennen Menschen. Grenzen verlaufen überall:

Im Sozialamt wie auf dem Bahnhof, in der Innenstadt wie an der Staatsgrenze. Die Grenze ist

überall, wo menschen befürchten müssen, nach Papieren gefragt zu werden.

Die EU-Innenminister haben seit ihrer Konferenz 1993 in Budapest Ernst gemacht - und das nicht

nur mit Nacht- und Wärmebildkameras. Das Ergebnis ist allerdings paradox, denn obwohl die

Migrationsbewegung aus dem Osten mit allen Mitteln gestoppt werden sollte, führte dies zu einer

Spezialisierung der Schlepperbanden, die nun noch mehr Umsatz als früher machen. Früher war

für Einzelgänger die Grenze leichter und billiger zu überwinden. Aber diejenigen, die es geschafft

haben, sind auch nicht besser dran, sie leben in einer Illegalität, die ihnen ihre Identität raubt. "Es

ist, wie ständig auf der Flucht zu sein. Wir leben praktisch wie Verbrecher, ohne ein

Verbrechen begangen zu haben" erzählt eine Betroffene in der Reportage "Beobachtung aus

der Unsichtbarkeit". Der Themenabend macht auf die sozialen Zusammenhänge der Migration

aufmerksam und appelliert ohne falsches Pathos an die Zivilcourage der Staatsbürger. -----

Dienstleistung Fluchthilfe -------

Das Video "Fremde Hilfe" setzt sich mit der Veränderung des positiv besetzten Begriffs

"Fluchthelfer" hin zum durchweg negativ besetzten Begriff "Schlepper" auseinander.

Anhand von Film- und TV-Material aus verschiedenen Zeiten untersucht das Video, wie sich der

offizielle Sprachgebrauch in den Medien verändert hat und befragt zusätzlich diejenigen, die

wahrscheinlich als Einzige legitimiert sind, Aussagen über den Mythos "Fluchthelfer/Schlepper" zu

treffen:

Flüchtlinge, die zu verschiedenen Zeiten gezwungen waren, inoffiziell und "mit fremder Hilfe" eine

Grenze zu passieren.

top

##    Kirchgemeinde Seelow in den Fallstricken des Globalisierten Weltmarktes

Globalisierung oder Globalisation ist zum Schlagwort geworden. Schwer ist es ihre Wirkung

oder Zusammenhänge zu erkennen. In den letzten Jahren hat sich unser Leben, unsere

Lebensweise rasant verändert. Unsere Arbeit und sogar die Art wie unsere Kleidung

hergestellt wird. Auf einmal rückt uns die Globalisierung der Weltmärkte im wahrsten Sinne

des Wortes auf den Leib.

In den letzten 10 –15 Jahren ist in Westeuropa die Textilindustrie kaput gegangen oder hat

ihre Produktionsorte in Länder des Südens oder heute auch nach Südost -Europa verlagert.

Dort können Textilmultis viel billiger produzieren .

 Zu den ganz großen Textilmultis gehört der OTTO Versand. Werner Otto ist der Gründer des

OTTO - Versand. Geboren ist er in Seelow. Nach dem Krieg gründete er in Hamburg seine

Firma, woraus sich über die Jahre das größte Versandunternehmen der Welt entwickelte. Zu

der OTTO - Handelsgruppe gehören 83 Handelsunternehmen in 24 Ländern Europas,

Nordamerika und Asien.

Nun hat Herr Werner Otto der Kirchgemeinde seiner „Vaterstadt" Seelow rund 12,5 Millionen

Mark für die Sanierung des maroden Kirchturms gespendet. Für die Kirchgemeinde ist dies

bestimmt wie ein himmlicher Segen gewesen. Doch leider ist die Art und Weise wie der OTTO

- Versand seine Gewinne erzielt, die die logische Voraussetzung für das allzu freigiebige

Mäzenatentum darstellen, nicht himmlisch.

Über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken, in welchen der OTTO

Versand seine Produkte herstellen läßt, wird immer wieder seitens Gewerkschaften,

Christlichen Organisationen u.a. geklagt.

So läßt der OTTO Versand seine Produkte unter anderem in Indonesien produzieren. Bei der

Untersuchung der Arbeitsbedingungen durch den „Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt" aus

Jakarta, beispielsweise in der Zuliefer-Firma Kolon Langgeng, wurde fest gestellt, daß sehr

viele junge Frauen von 15 Jahren an dort arbeiten. Der Produktionsort ähnelt den Fabriken

bei uns vor rund 80 Jahren. Entsprechend sind auch die Arbeitsbedingungen. Sie stellen sich

als extrem hart und unmenschlich heraus. Der Lohn liegt, bei einer täglichen Arbeitszeit von

rund 14 bis18 Stunde, bei 4 € pro Tag

, einem Lohn der nicht einmal das Existenzminimum abdecken kann. Der Anteil der Löhne an der gesamten Preisgestaltung macht nur knappe 5 Prozent aus.

Darüber hinaus wurde physischer und psychischer Druck ausgeübt. Es gibt Berichte über

körperliche Maßregelungen (an den Ohren ziehen, Schläge auf das Gesäß) und sexuelle

Belästigung. Insbesondere wurden Frauen körperlich bedrängt und zu Rendezvous

gezwungen. In der Firma kam es zu ähnlichen Belästigung durch weibliche Führungskräfte

mit Gewaltanwendung.

Wenn Näherinnen ihre Norm nicht schaffen, müssen sie so lange arbeiten bis sie diese

erreicht haben. Dies ergibt oft Arbeitszeiten von 7.30 bis 21 Uhr.

Durch die Wirtschaftskrise in Asien sanken die Gewinne der Großen Textilmultis und die Löhne

noch mehr.

Muß die Kirchgemeinde Seelow und damit auch uns interessieren, woher ein Spender sein

Geld hat, wenn sonst bestimmt der Kirchturm nicht saniert werden könnte?

Grundsätzlich ist eine christliche Gemeinde, die Gemeinschaft der Menschen die in der

Nachfolge Jesus Christus sich gefunden haben. Sie sind eine Weggemeinschaft in der Welt

von heute . Jesus möchte das wir unseren Nächsten helfen und wir in einer gerechten Welt

leben. Unser Nächster der unter die Räubern gefallen ist, sind auch die Näherinnen unserer

Klamotten. Gott leidet mit, wenn andere unter den ungerechten Arbeitsbedingungen leiden.

Unser Weit-Blick sollte daher auch weiter reichen als der Schatten unserer Kirchturmspitze!!!

http://www.missio.at/down/werkmappe120.pdf
http://www.jugendaktion.de/juga2002/download/Aktionsheft.pdf

top

###  http://www.indymedia.de/2002/04/20552.shtml

gag-ffo(Globalisierung AG)  http://www.gag-ffo.de mailto: gag-ffo@gmx.de